Am Ende der Nahrungskette

04.05.2022

Im ausgehenden Winter treffen im Bereich der Elbmündung regelmäßig hochnordische Weißwangengänse und Seeadler aufeinander. Während die Gänse hier zu tausenden die sprießende Pflanzendecke nutzen, um sich Reserven für den Weiterflug nach Grönland, Spitzbergen und Sibirien anzufressen, werden die Seeadler ihrer Funktion an der Spitze der Nahrungskette gerecht und verspeisen die eine oder andere Gans. Derzeit beobachten wir maximal 4 Individuen gleichzeitig. Dabei handelt es sich überwiegend um Jungvögel und Nichtbrüter ohne Territorium, die sich hier an der Elbmündung unbehelligt von den zeitweise recht aggressiven Brutvögeln aufhalten können, deren Horste relativ weit entfernt sind. Solange die Gänse da sind, gibt es auch immer einen reich gedeckten Tisch. Diese Nahrungskette ist hier also relativ kurz: Das Gras der Vorländer landet über eine Zwischenstation bei den Gänsen zügig bei den Seeadlern.


In der Foto-Sequenz versucht ein älterer Adler einem jüngeren eine erbeutete Gans abzunehmen. Der Ausgang der Geschichte war, dass der jüngere seine Beute behalten konnte.

Die Lachseeschwalben-Saison 2022 ist eröffnet!

02.05.2022

Am 2. Mai wurde die Lachseeschwalben-Saison mit dem Aufbau der Station am Deich in Neufelderkoog eröffnet. Gegen Mittag wurden die ersten Elektrozäune in Stellung gebracht, die dafür sorgen werden, dass die Koloniebrüter in der sensiblen Phase der Koloniegründung - vor allem nachts - vor Füchsen und Marderhunden sicher sind. Die ersten beiden Betreuer bezogen die Bauwagen und richteten den Materialcontainer ein, die zuvor allesamt von Mitarbeitern des LKN-Bauhofes im Kaiser-Wilhelm-Koog mit schwerem Gerät dorthin transportiert und ausgerichtet worden waren. Herzlichen Dank an unsere Küstenschützer für diese Hilfe!

Abkürzung über den Kontinent?

29.04.2022

Bisher ist wenig über die Zugstrategie, das Timing und die Routen heimziehender Lachseeschwalben bekannt. Im Gegensatz zum Wegzug im Herbst gibt es vom Heimzug im Frühjahr kaum Beobachtungen. Warum ist das so? Es könnte daran liegen, dass der Heimzug wesentlich schneller verläuft als der Wegzug und über andere und unbekannte Routen führt, an denen es zu weniger Beobachtungsmöglichkeiten kommt. Für Eile im Frühjahr gäbe es außerdem gute biologische Gründe, die man von anderen Koloniebrütern kennt.

Der wichtigste Unterschied dieser Jahreszeiten ist der Faktor Zeit. Auf dem Wegzug im Spätsommer gibt es wenig Zeitdruck, dafür vielmehr die Erfordernis die flüggen, aber noch nicht vollständig ausgewachsenen Küken bei längeren Aufenthalten in guten Nahrungsgegbieten in gute Kondition zu bringen, damit anschließend die weiten Strecken bis nach Westafrika bewältigt werden können. Im Frühjahr ist die Lage völlig anders. Frühes und synchrones Eintreffen der Altvögel an der Kolonie verbessert sehr wahrscheinlich die Chancen, einen guten Brutplatz sichern zu können. Da keine Jungögel auf der Reise dabei sind, können es sich die Altvögel leisten, nur wenige und kurze Rastaufenthalte einzulegen, um die Strecke zu schaffen. Diese Hypothese wird nun durch durch 3 aktuelle Beobachtungen aus der Schweiz und dem östlichen Frankreich gestützt.

Am 26. April rastete in der Westschweiz am Genfer See (Kanton Waadt) ein alter Bekannter aus der Kolonie Neufelderkoog, der an seiner Farbkombination eindeutig erkannt werden konnte. Dabei handelt es sich um ein Männchen aus dem Jahrgang 2013, von dem bereits eine Reihe von Ablesungen, auch aus den Niederlanden, vorliegen - alle aus der Brut- oder Wegzugsphase. Herzlichen Dank an Lionel Maumary für diese Meldung und das Foto. Dazu passend berichtete Philippe Malenfert von Sichtungen aus dem östlichen Frankreich, und zwar aus der Nähe von Verdun und im Département Haute-Marne (Villegusien-le-Lac), die alle an Flüssen liegen, die in Nord-Süd-Achsen verlaufen. Man kann sich gut vorstellen, das ziehende Lachseeschwalben diese Flüsse als Leitlinien benutzen, um die erheblich längere Atlantik-Route zu vermeiden und eine Abkürzung über das kontinentale Europa einzuschlagen. Der Genfer See liegt auch nicht weit entfernt von dieser Linie. Ob sich diese Vermutung bestätigt, werden in Zukunft hoffentlich weitere Meldungen zeigen.

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