Biologie

Die Lachseeschwalbe ist eine mittelgroße Seeschwalbe, von den Längenmaßen vergleichbar einer Brandseeschwalbe, aber mit einer kräftigeren, eher möwenartigen Statur. Die Beine sind im Vergleich zu anderen Seeschwalben sehr lang und bestens zum Laufen und Rennen geeignet, wozu bereits Küken im Alter weniger Tage fähig sind. Im Brutkleid erstreckt sich die schwarze Kopfkappe auch über die Augen bis zu einem kräftigen schwarzen Schnabel, der keine andersfarbige Spitze aufweist. Mit dem Ende des Sommers beginnt die Mauser des Kopfgefieders, sodass sich ein struppiger oder grauer Eindruck ergibt. Im Winterkleid fehlt die Kopfkappe - der Kopf ist bis auf einen Wangenfleck weiß. Aber das bekommen wir in der Zeit, in der sich die Lachseeschwalben in Deutschland bzw. Mitteleuropa aufhalten, nicht zu sehen.

Das beste diagnostische Merkmal ist der unverwechselbare Ruf, etwa "geweck" oder aufgeregt mehrfach "geweckeweckeweck", mit dem sich Lachseeschwalben auch bei schlechten Beobachtungsbedingungen sicher identifizieren lassen. Ein Soundbeispiel aus Neufelderkoog mit Alarm- und Kontaktrufen sowie weitere Soundbeispiele aus aller Welt findet man auf xeno-canto.org.

Die Lebenslaufstrategie der Lachseeschwalbe ähnelt der anderer großer Seeschwalben und Möwen und zeichnet sich durch folgende Parameter aus:

  1. relativ hohe Lebenserwartung: mehr als 15 Jahre sind durch Ringfunde belegt, wahrscheinlich ähnlich Fluss- und Küstenseeschwalbe bis 30 Jahre möglich,
  2. relativ geringe natürliche Mortalität adulter Individuen: wie andere Seeschwalbenarten ähnlicher Größe ca. 10 – 15% pro Jahr anzunehmen,
  3. relativ hohes natürliches Verlustrisiko von Eiern und Jungvögeln, auf Populationsebene relativ geringe mittlere Reproduktionsraten,
  4. relativ später Eintritt in die Reproduktion, erste Brut mit (3) 4-5 Jahren, physiologische Geschlechtsreife im 3. Kalenderjahr, vereinzelt dann auch schon brütend,
  5. eine Jahresbrut mit 1-3 Eiern pro Gelege. Hohe Bereitschaft für Ersatzbruten nach Gelegeverlusten, nach Kükenverlusten gering.

Mitte April treffen die ersten Lachseeschwalben bei uns im Brutgebiet ein, zuerst die älteren und ortskundigen Individuen. Die Besetzung der Kolonie erfolgt von Anfang bis Mitte Mai, wobei die Entscheidung über den endgültigen Brutplatz erst wenige Tage vor der Eiablage erfolgt, und zwar als eine Art Kollektiventscheidung. Mehrere Paare besetzen dabei das spätere Zentrum der Kolonie zuerst und legen dort gleichzeitig Nester an, worauf der Rest der Kolonie in einigen Tagen Abstand folgt. Darübert hinaus gibt es in manchen Jahren Spätbruten durch junge unerfahrene Erstbrüter, die in der Hierarchie weit unten stehen und daher am Rande der Kolonie Platz nehmen müssen.

Die Bebrütungsdauer eines Geleges beträgt 23-24 Tage. Die Jungvögel können mit 25 Tagen flattern und sind mit 30 Tagen flügge. Beide Eltern beteiligen sich an der Aufzucht und versorgen ihren Nachwuchs auch während des Wegzugs weiter. Wie bei anderen Seeschwalben können Familien auf dem Zug noch wochenlang zusammenbleiben, vermutlich mindestens bis zum Eintreffen in den Winterquartieren. Derartiges Verhalten kennt man nur von relativ wenigen Vogelarten, in denen von Natur aus geringe Reproduktionsraten auftreten und daher besonders viel in den Nachwuchs investieren (Ähnlichkeiten mit Homo sapiens sind rein zufällig!). Neueste Beobachtungen aus den niederländischen Rastgebieten weisen darauf hin, dass diese Form fortgesetzter elterlicher Fürsorge auch als Halbfamilie auftreten kann, d.h. die Familie teilt sich und je ein Elternteil versorgt ein Küken, oft ohne Kontakt und räumlich getrennt von der anderen Hälfte der Familie.

Ausgewachsenens Küken mit einem Elternteil auf dem Zug in den Niederlanden (14.8.20, Foto: Harry Kuipers)

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