Vollbremsung für einen Happen

16.07.2021

Fliegen ist für Lachseeschwalben ein Leichtes. Wenn sie es eilig haben, fliegen sie scheinbar mühelos mit 80 km/h dahin. Umgekehrt fliegen sie bei der Nahrungssuche gerne sehr langsam gegen den Wind. Alles kein Problem für einen so für das Fliegen perfektionierten Körper.

Wenn Lachseeschwalben in ihrer typischen Weise auf Nahrungssuche sind, entgeht ihren großen Augen nichts - sei es ein fliegender Falter, die Spitze eines Regenwurmes, ein Frosch im Graben, die Bewegung einer Wollhandkrabbe im Schlick. Sobald die Beute erspäht ist, erfolgt eine Vollbremsung in der Luft, ein kurzer Sturzflug und der gezielte Zugriff mit dem Schnabel. Dabei tauchen Lachseeschwalben bestenfalls mit dem Kopf ein, der Körper bleibt stets über Wasser. Sie jagen gerne an Land und machen sich nicht viel aus Fischen. Auch in dieser für Seeschwalben etwas außergewöhnlichen Nahrungswahl zeigt sich die weitgehende Anpassung an ein Leben im Übergang zwischen Land und Wasser.

Dem niederländischen Fotografen Fred Visscher gelang dieses perfekte Foto einer Lachseeschwalbe kurz vor dem Ergreifen einer Wollhandkrabbe am 16. Juli 2021 im Hafen von Neufeld. Obwohl sich das Bild nicht bewegt, transportiert es die ganze Dynamik dieser einen Sekunde. Durch Zufall verrät es noch mehr - der Vogel trägt Ringe, die ihn individuell erkennbar machen. Hier seine Geschichte: Dieser Vogel wurde am 26.6.2015 in der Kolonie Neufelderkoog als Küken beringt und seitdem von Vogelbeobachtern mehr als 30x abgelesen und gemeldet. Schon im Alter von wenigen Wochen besuchte er mit seinen Eltern Sand- und Kiesgruben in den Niederlanden bei Groningen, an denen er seitdem regelmäßig zur Zugzeit wiedergesehen wird. Zum ersten mal gebrütet hat er als Vierjähriger im Jahr 2019.

Saudações de Portugal

05.07.2021

Bei einer Kontrolle hinter der Kolonie wurde eine tote adulte Lachseeschwalbe mit einem Ring aus Portugal gefunden. So bedauerlich dieser Fund auch ist, die Geschichte, die mit diesem Ring verbunden ist, könnte ein Licht darauf werfen, ob es einen genetischen Austausch zwischen den mediterranen Kolonien und unserer Kolonie im Neufelderkoog-Vorland gibt. Dies wäre anzunehmen, wenn der Vogel als Küken oder Brutvogel in einer portugiesischen Kolonie beringt worden wäre. Sollte der Vogel seinen Ring dagegen außerhalb der Brutzeit bekommen haben, wäre eher davon auszugehen, dass er ein Durchzügler ist, dessen Herkunft dann sehr wahrscheinlich in Neufelderkoog liegt.

Die Frage, ob es einen genetischen Austausch mit weit entfernten Kolonien geben könnte, beschäftigt uns schon länger (siehe Blog vom 16. Mai). Immerhin befindet sich im Vorland von Neufelderkoog die letzte Lachseeschwalbenkolonie Mitteleuropas – populationsbiologisch wie auf einer weit entfernten Insel.

Da Bearbeitungen von Ringmeldungen innerhalb Europas lange dauern können und wir es nicht aushielten, darauf zu warten, baten wir Dr. Sandra Bouwhuis, wissenschaftliche Direktorin am Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven (die für uns zuständige Markierungszentrale) um Kontaktaufnahme mit ihren portugiesischen Kollegen – und erhielten prompt eine Antwort.

Die Lachseeschwalbe mit der Ringnummer I 15390 wurde am 8. September 2018 nachts um 1:30 Uhr in den Salinas do Samouco (Setúbal, Portugal) beringt. Sie war damals mindestens 2 Jahre alt und wog 194g, was dem Gewicht einer gesunden, ausgewachsenen Lachseeschwalbe entspricht. Der Beringungsort befindet sich auf einer großflächigen Meersalzgewinnungsanlage im Mündungsgebiet des Tejo mit Blick auf die Hauptstadt Lissabon, die als Rast- und Schlafplatz für Durchzügler bekannt ist. Aus weiteren Ringmeldungen wissen wir, dass sich Lachseeschwalben auf dem Zug gerne an Flussmündungen aufhalten und die westeuropäische Atlantikküste als Leitlinie benutzen. Das Beringungsdatum 8. September liegt klar außerhalb der Brutzeit und in einem Zeitfenster, in dem nahezu alle Lachseeschwalben Mitteleuropa verlassen, die ohne Küken unterwegs sind. Der Geburtsort der Lachseeschwalbe und ihre Koloniezugehörigkeit bleiben damit zunächst weiter unbekannt. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch hoch, dass es Dithmarschen ist. Vielleicht können molekulargenetische Methoden dazu bald mehr herausfinden.

Beringung in der Hauptkolonie

27.06.2021

In der Hauptkolonie wurden am letzten Wochenende 42 Küken beringt. Dies entspricht genau der Anzahl der aktuellen Brutpaare. Erfreulicherweise gibt es weitere Gelege, die noch bebrütet werden und deren Schlupf in der nächsten Woche zu erwarten ist. Bei der Kontrolle der Brutkolonie wurden keine Hinweise auf Krankheiten oder Prädation gefunden. Die Küken wirkten vital, sodass eine hohe Überlebensrate zu erwarten ist. Es könnte auf ein überdurchschnittlich gutes Brutergebnis hinauslaufen. Im August wissen wir mehr.

Projektträger

Unsere Geldgeber

Unsere Partner

Kontaktieren Sie Uns

Wir freuen Uns über Ihre Beiträge, Anregungen und Fragen. Kontaktieren Sie Uns gerne auf einem der folgenden Wege:

info@gelochelidon.de